Gemeinde Seckach

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Gemeinde Seckach

Gemeindeportrait

Seckach im Neckar-Odenwald-Kreis

Ein etwas anderes Gemeindeportrait.

Lesen Sie im Folgenden, wie facettenreich sich die Gemeinde Seckach heute darstellt.

Seckach verbindet
Seckach verbindet

I. Die neue Gemeinde

Die heutige Struktur Seckachs ist ganz wesentlich von den Ereignissen der unmittelbaren Nachkriegszeit geprägt. Durch Heimatvertriebene und sonstige Zuwanderer erhöhte sich die Einwohnerzahl des Kernortes Seckach alleine von 1945 – 1960 von 850 auf 2.020 Menschen – dies war damals die prozentual größte Bevölkerungszunahme in ganz Nordbaden und führte natürlich zu einer gewaltigen Umstrukturierung der Bevölkerung. In den 90er Jahren stellte sich in allen drei Ortseilen erneut ein starker Zugang von rd. 25 % oder 800 Personen ein, vor allem Aus- und Übersiedler. Diese beiden Epochen einer starken Zuwanderung sind bis zum heutigen Tage prägend für die vielschichtige Zusammensetzung unserer Einwohnerschaft.

II. Die Eisenbahngemeinde

Dass sich gerade nach dem II. Weltkrieg so viele entwurzelte Menschen in Seckach niederließen, ist u.a. Seckachs Funktion als regionaler Eisenbahnknotenpunkt zu verdanken. Von der Badischen Odenwaldbahn Heidelberg – Würzburg zweigt die Madonnenlandbahn nach Walldürn und Miltenberg ab. Die nächsten größeren Städte sind somit alle bequem mit dem Zug erreichbar, hierunter gleich fünf verschiedene Standorte weiterführender Schulen. Wo gibt es das schon ? Deutlich verbessert wurde das Angebot im Dezember 2003, als die S-Bahn RheinNeckar in Betrieb ging. Alle drei Ortsteile liegen nunmehr an der längsten S-Bahnlinie Deutschlands, welche von der Nachbarstadt Osterburken quer durch die Metropolregion Rhein-Neckar bis ins saarländische Homburg führt. Die Madonnenlandbahn stand in der Vergangenheit mehrfach auf der Kippe, aber dank der Betriebsübernahme durch die Westfrankenbahn und starker kommunalpolitischer Einflussnahme konnte der Bestand der Strecke zwischenzeitlich gesichert werden.

III. Das Dorf in der Gemeinde

Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal stellt für die Gemeinde Seckach das Kinder- und Jugenddorf Klinge dar. Es wurde in den Nachkriegswirren von Pfarrer Heinrich Magnani gegründet, gibt heute bis zu 180 Kindern und Jugendlichen aus zerrütteten Elternhäusern Heimat und Geborgenheit und ist somit eine der größten stationären Jugendhilfeeinrichtungen Deutschlands. Daneben unterhält die Klinge zahlreiche Tagungs- und Freizeiteinrichtungen mit über 130 Betten und besitzt mit der rd. 2 ha großen Spiellandschaft ein Angebot, das Jahr für Jahr Tausende von Kindern mit ihren Eltern aus dem weiten Umland anzieht.

IV. Die Intergemeinde

Schon seit Jahrzehnten pflegen wir mit unseren Nachbarkommunen eine intensive interkommunale Zusammenarbeit. Besonders hervorzuheben sind:

  • die Mitgliedschaft im Regionalen Industriepark Osterburken (RIO), dem ältesten Interkommunalen Gewerbegebiet in Baden-Württemberg,
  • die gemeinsame Trägerschaft der Werkrealschule „Schefflenztalschule“ zusammen mit den Gemeinden Billigheim und Schefflenz,
  • die Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Hochwasserschutzes: Seckach ist Sitz des Zweckverbandes „Hochwasserschutz Einzugsbereich Seckach/ Kirnau“, welcher sich über acht Kommunen in drei Landkreisen und zwei Regierungsbezirken erstreckt. Seit der Verbandsgründung im Jahre 1997 wurden alle 15 geplanten überörtlich wirkenden Hochwasserrückhaltebecken gebaut und in Betrieb genommen. Zusammen mit rd. 65 ergänzenden Maßnahmen in den Ortslagen, von denen auch schon rund 1/3 realisiert sind, wurde das Verbandsziel, ein 100-jährliches Hochwasser schadensfrei durch alle Ortslagen zu führen, bereits zu einem sehr großen Teil erreicht,
  • die gemeinsame technische Betriebsführung der Wasserversorgung zusammen mit vier weiteren Kommunen in der Wasserversorgung Bauland GmbH,
  • die Mitgliedschaft in den Zweckverbänden „Gruppenkläranlage Seckachtal“ und „Gruppenkläranlage Schefflenztal“ sowie
  • die gemeinsame Wahrnehmung der Aufgabe der mobilen Klärschlammentwässerung zusammen mit sechs weiteren Kommunen.

V. Die Partner- und Patengemeinde

Unser Blick richtet sich aber in noch viel weitere Ferne. So pflegen wir schon seit dem Jahre 1990 auf sehr intensive Art und Weise eine Städtepartnerschaft mit der Stadt Reichenbach in der Oberlausitz und seit dem Jahre 2005 mit der norditalienischen Kommune Gazzada Schianno, dem Herkunftsort der Vorfahren unseres Kinderdorfgründers und Ehrenbürgers Geistlicher Rat Pfarrer Heinrich Magnani. Ein europäisches Netzwerk gar haben wir der mit Gründung der EUROKOMMUNALE-Bewegung im Jahre 2005 geschaffen. Durchschnittlich zehn kleine Kommunen aus Italien, Polen, Tschechien und Deutschland, die wie an einer Perlenkette aufgereiht als Partner miteinander verbunden sind, finden sich seit dieser Zeit jährlich unter diesem Label zusammen und wollen damit einen Beitrag zum Zusammenwachsen Europas leisten. Im Jahre 2008 fand die EUROKOMMUNALE als Energiegipfel in der Gemeinde Seckach statt. Des Weiteren pflegt die Gemeinde Seckach seit Ende der 80er Jahre zwei Patenschaften: zum einen zu den ehemaligen Bewohnern des Böhmerwalddorfes Schüttwa, von denen nach dem II. Weltkrieg viele in Seckach und Umgebung eine neue Heimat fanden, und zum zweiten zur Bundeswehr in Walldürn. Im Rahmen der letztgenannten Patenschaft beteiligen wir uns jedes Jahr zusammen mit einem unserer Kindergärten am internationalen „Tag der Umwelt“, bei welchem die Kinder mit den Soldaten z.B. an der Seckachbach zu einer Gewässererkundung unterwegs sind oder der Förster die großen und kleinen Gäste durch die heimischen Wälder führt

VI. Die Kunstgemeinde

Seit Ende der 80er Jahre hat sich in Seckach eine Kunstszene etabliert und zwar gleichermaßen mit Aktivitäten der bildenden wie der musischen Künste. Herausragendes Resultat auf dem Gebiet der Bildenden Künste sind zahlreiche Kunstwerke an und in öffentlichen Gebäuden sowie der Skulpturenpark im Seckacher Gemeindewald. Diese „Kunstmeile im Grünen“ entstand auf Initiative des damals nach Seckach gezogenen Künstlerehepaares Marianne und Paul Wagner. Zusammen mit befreundeten Künstlern schuf es im Laufe der Jahre rd. 90 Skulpturen, von denen die eine oder andere mit Sicherheit das Prädikat „skuril“ verdient. Dank der Kombination „Wald und Kunst“ ist ein ganz besonderes Erlebnis garantiert.

Ein weiteres Highlight auf dem Gebiet der Bildenden Künste und gleichzeitig des Tourismus ist der 2006 eröffnete und als Leitprojekt von der Europäischen Union im Rahmen des Ziel-2-Strukturprogramms finanziell geförderte „Bauländer Skulpturenradweg“. Auf insgesamt 77 km Wegstrecke führt er durch die Gemarkungen von sechs Kommunen und inmitten der Landschaft finden sich nicht weniger als 19 kleine und große Skulpturen. Insgesamt wollen wir unsere Bemühungen auf dem Gebiet des Tourismus in den nächsten Jahren weiter verstärken, wobei wir vor allem mit einer herrlichen, abwechslungsreichen Landschaft, dem bereits erwähnten Spielgelände, dem ganzjährig geöffneten Hallenbad mit Sauna, Dampfbad und Liegewiese und einer ansprechenden Gastronomie aufwarten können.

Und nun noch schnell exemplarisch zum musischen Sektor: seit 1991 gibt es in Seckach und Umgebung die private Musikschule Bauland (ehem. Irmai) mit über 200 Schülern. Die Kommunen stellen dieser Musikschule lediglich Räumlichkeiten für den Übungsbetrieb zur Verfügung – im Gegenzug wirkt die Musikschule bei öffentlichen Anlässen kostenlos mit. Im Vergleich zur Defizitabdeckung für eine kommunale Musikschule beläuft sich die Ersparnis für die Gemeindekasse auf einen mittleren fünfstelligen Betrag.

VII. Die Energiegemeinde

Mit Stolz können wir darauf verweisen, dass in der Gemeinde Seckach dank privater und öffentlicher Initiativen praktisch alle relevanten Spielarten des Einsatzes regenerativer Energien vertreten sind. Im Einzelnen sind dies:

  • der Einsatz von Erdwärme im 2005 neu eröffneten Dorfgemeinschaftshaus Zimmern,
  • die Vermietung gemeindeeigener Dachflächen für die Aufbringung von Photovoltaikanlagen,
  • der Einbau einer Pelletsheizung in die Gebäude des Wasserschloßareals im Ortsteil Großeicholzheim,
  • die seit 2007 in Betrieb befindliche Biogasanlage der Biogas Seckach GmbH,
  • die ebenfalls im Jahre 2007 stattgefundene Aufstellung von zwei Windkrafträdern auf Gemarkung Großeicholzheim und
  • der im Frühjahr 2013 gestartete Bau eines Nahwärmenetzes für den Ortsteil Großeicholzheim durch die Bürger-Energie Großeicholzheim eG.

Darüber hinaus hat die Gemeinde Seckach schon im Jahre 2005 ein Energieeinsparkonzept für alle gemeindlichen Gebäude und die Straßenbeleuchtung erstellen lassen. In den Jahren 2006/ 2007 setzte man dieses Konzept bereits um; u.a. wurden in den größten Energieverbraucher der Gemeinde, das Hallenbad, zwei Blockheizkraftwerke eingebaut und seit dieser Zeit konnten bereits große Energiemengen eingespart werden.

VIII. Die Bürgergemeinde

Natürlich gibt es bei uns, wie überall im Ländlichen Raum, ein überdurchschnittliches ehrenamtliches Engagement. Seckach verteilt keine Unsummen an finanzieller Förderung, stellt aber z.B. die Mehrzweckhallen für den Übungsbetrieb der Vereine kostenlos zur Verfügung. An herausragenden Beispielen bürgerschaftlichen Engagements können genannt werden:

  • der Lokale-Agenda-Prozess: im Rahmen des Modellprojekts „Nachhaltige Kommunalentwicklung“ des Umweltministeriums leitete die Gemeinde Seckach im Jahre 2007 einen Lokale-Agenda-Prozess ein. Weit über 500 Mitbürgerinnen und Mitbürger beteiligten sich im Frühjahr 2008 an einer großen Umfrage, in deren Ergebnis sich vier Arbeitskreise bildeten; drei dieser Arbeitskreise bestehen bis heute fort. Herausragende Ergebnisse des Agenda-Prozesses sind bis dato der seit Sommer 2009 bestehende Fahrdienst für mobilitätseingeschränkte Mitbürger, der im Jahre 2010 gegründete Verein „Zeitbank 55+“ sowie die Aufstellung und begonnene Umsetzung der Biotopvernetzungskonzeption für die Gesamtgemeinde,
  • das Bürgerprojekt „Wasserschloss Großeicholzheim“, in dessen Rahmen das historische Wasserschloss samt angebauter ehemaliger Tenne und Farrenstall in den Jahren 2006 – 2008 zu einem Kulturzentrum mit Heimatmuseum umgebaut wurde. Die Großeicholzheimer Bevölkerung verpflichtete sich bei diesem Millionenprojekt, den nicht durch Zuschüsse gedeckten Teil der Kosten durch Eigenleistungen und Spenden zu decken; am Ende kamen über 14.000 freiwillig geleistete Arbeitsstunden und ein beachtlicher fünfstelliger Spendenbetrag zusammen. Heute sind das Museum und die Tenne sehr beliebte ganzjährige Treffpunkte für die Bevölkerung und viele Gäste aus nah und fern,
  • die Bürger-Energie Großeicholzheim eG: seit dem Frühjahr 2010, als in der Klimaschutzstudie des Neckar-Odenwald-Kreises vorgeschlagen wurde, die Abwärme der Biogasanlage in der Bannholzsiedlung für den Aufbau eines Nahwärmenetzes zu nutzen, beschäftigt sich die Großeicholzheimer Bevölkerung intensiv mit diesem Thema. Nach zahlreichen Infoveranstaltungen, Exkursionen und Vorbesprechungen wurde im November 2011 von 83 Personen und Institutionen die Bürger-Energie Großeicholzheim eG gegründet. Über 120 Privatleute, Firmen und öffentliche Einrichtungen schlossen in der Folgezeit einen Wärmeliefervertrag mit der Genossenschaft ab und im Frühjahr 2013 wurde mit dem Bau des rd. 6 km langen Netzes begonnen. Die Inbetriebnahme ist für den Beginn der Heizperiode 2013/ 14 vorgesehen.

IX. Die Sanierungsgemeinde

Schon seit den 80er Jahren kümmert sich die Gemeinde Seckach intensiv um den Erhalt und die Ertüchtigung ihrer alten Ortskerne. Damals leistete die Dorfentwicklung wertvolle Hilfe; beredtes Zeugnis der jahrelangen Erfolge waren zwei Gold- und zwei Silbermedaillen sowie ein Sonderpreis im Landeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“. Seit dem Jahre 1995 befindet sich der Ortsteil Seckach im Landessanierungsprogramm. Im ersten Sanierungsgebiet konnte die Bevölkerungszahl um 23 % gesteigert werden. Das aktuelle Sanierungsgebiet wird ebenfalls sehr gut angenommen. Für das hierin liegende mischgebietsähnliche Areal rund um den Bahnhof wurde in den Jahren 2007/ 2008 eine städtebauliche Studie erstellt. Eines der in dieser Studie benannten Entwicklungsziele wird im Sommer 2013 erreicht werden: es ist die komplette Neugestaltung der Bahnhofstraße im Bereich des südlichen Ortseingangs von Zimmern samt Schaffung zusätzlicher P+R-Plätze und eines kleinen Gewerbegebietes auf dem ehemaligen Güterhallenareal. In den Ortsteilen Großeicholzheim und Zimmern nutzen wir schon seit vielen Jahren das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR). Ziel ist es, mit der Stadtsanierung und dem ELR Flächen in den alten Ortskernen für eine Wohnbebauung zu gewinnen, damit die Erschließung weiterer Baugebiete möglichst lange hinaus geschoben werden kann.

Liebe Leserin, lieber Leser,

angesichts dieser vielfältigen Verbindungen und Aktivitäten, auf die wir verweisen können, dürfte es für Sie nachvollziehbar sein, dass sich unsere Gemeinde im Jahre 2004 ein Logo mit dem Slogan „Seckach verbindet“ zulegte – das ist der kürzeste Nenner, auf welchen man unsere Bestrebungen zusammen fassen kann.

Darüber hinaus glaube ich auch, dass Sie erkennen können, wie intensiv wir an der Weiterentwicklung unserer Gemeinde arbeiten. Hoch- und Tiefbauten sind hierbei schon längst nicht mehr das Wichtigste – die sozialen Aspekte treten mehr und mehr in den Vordergrund. Im Zuge der Teilnahme an dem Modellprojekt „Kommunen auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Entwicklung" des Umweltministeriums von Baden-Württemberg hat die Gemeinde Seckach deswegen im Jahre 2007 den Lokale Agenda-21 Prozess eingeleitet.

Die Themen, mit denen sich unsere Agenda-Arbeit beschäftigt, können Sie mit Sicherheit schon erahnen. Europa spielt hierbei genauso eine Rolle wie die erneuerbaren Energien, die Umwelt und der Verkehr. Die größte Resonanz erfahren wir aber immer wieder bei den sozialen Themen und zwar in all jenen Bereichen, wo es bisher keine institutionalisierten Angebote gab. Im unserem Fall gilt dies vor allem für Fragen rund um die Mobilität und die organisierte Nachbarschaftshilfe. Es ist unser Ziel, dass auch unsere ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger möglichst lange selbstbestimmt in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben können.

Sie sehen also: an Ideen mangelt es uns nicht. Mit der fortgesetzten Generierung von positivem bürgerschaftlichem Engagement will Seckach die lebendige Bürgergemeinde erhalten und weiter ausbauen. 

Ich lade Sie ein, hieran mitzuwirken!

Thomas LUDWIG
-Bürgermeister-